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Spaß statt Folter?
![]() Das ehemalige Folter-Gefängnis Hoheneck soll zum Erlebniszentrum umgebaut werden
Ex-Knast als Spaßzentrum - so will es jedenfalls der von Freien Wählern und der PDS dominierte Gemeinderat von Stollberg, nachdem ein Investor seine großangelegten Umbaupläne für das ehemalige Gefängnis der Öffentlichkeit präsentiert hatte. Offenbar soll die DDR-Vergangenheit völlig ausgeblendet werden, in der weibliche politische Gefangene mit Schwerstverbrecherinnen und Mörderinnen zusammengepfercht wurden. Psychoterror und Misshandlungen inklusive, wie sich ehemalige Insassinnen noch heute mit Schaudern erinnern. Auch tagelange Isolationshaft und schlechte medizinische Versorgung gehörten zum menschenverachtenden "Repartoire" in Hoheneck, das schon 1861 als "Königlich-sächsische Weiberzuchtanstalt" gegründet wurde.
Zu DDR-Zeiten war das Gefängnis mit über 1500 Häftlingen, von denen rund 40 Prozent "politisch Auffälliggewordene", also Gegnerinnen des SED-Regimes waren, zumeist völlig überfüllt. Noch bis 2001 diente das - mittlerweile renovierte - ehemalige Jagdschloss als Strafanstalt, bis es endgültig geschlossen wurde. Jetzt sollen in dem Bau neue Zeiten anbrechen, denn der Saarländer Bernhard Freiberger hat das Schloss vom Freistaat Sachsen erworben, um daraus einen Touristenmagneten zu machen: Eine "Event-Arena" könne er sich im Gefängnishof vorstellen oder auch Nachtführungen mit echtem "Jailhouse-Feeling" samt Übernachtung und Frühstück. Kein Wunder, dass die Opferverbände dieses recht geschmacklose Projekt vehement ablehnen: Verharmlosend und geschichtsvergessen seien diese makaberen Veranstaltungen, schlicht unerträglich und abartig. Trotzdem sprach sich der von den Freien Wählern dominierte Stadtrat von Stollberg unlängst für den Investor und sein Vorhaben aus - wegen der erwarteten Touristenströme. Diesen sorglosen Umgang mit der DDR-Vergangenheit haben die Opfer nun wahrlich nicht verdient. Statt erlebnishungrige Besucher anzulocken, sollte lieber ausführlich an die sozialistischen Haftbedingungen erinnert werden. Das wäre diesem Ort angemessen. [09.09.2004]
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